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In 16+84 Lektionen zum Profitexter
  Sie trauen keinem Bündner über 40? Sie finden Geiz geil? Sie sind ein unverbesserlicher Do-It-Yourself-Typ? Was immer Sie bewegen mag, auf meine Dienste zu verzichten - ich verzeihe Ihnen. Mehr noch: selbstlos wie ich bin, helfe ich Ihnen, Ihre Traumkarriere als Startexter in Gang zu bringen. Absolvieren Sie einfach den folgenden Crashkurs. Beginnen wir mit Lektion 1.
 
Lektion 01: Schreiben Sie ab
   Je schneller Sie Ihre Skrupel ablegen, um so kometenhafter ist Ihr Aufstieg in der schreibenden Zunft. Abschreiben gehört zu den vornehmsten Tugenden des angehenden Texters. Klauen Sie Argumente aus den Mailings Ihrer Konkurrenten (siehe Lektion 9). Plündern Sie die Bonmots berühmter Zeitgenossen. Kupfern Sie die Schlagzeilen Ihrer Tageszeitung. Stibitzen Sie die elegante Passage aus der NZZ. Konfiszieren Sie die saftigen Einzeiler vom Blick. Bestehlen Sie den Pfarrer auf der Kanzel und den Kanzler im Wahlkampf. Tun Sie es mit gutem Gewissen. Das meiste, was Sie abschreiben, ist ohnehin schon Abgeschriebenes. Betrachten Sie den Akt des Abschreibens als lobenswertes Recycling, um Ihren geistigen Energieverbrauch auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren. Schreiben Sie wie eine Elster.
 
Lektion 02: Legen Sie den Köder aus
   Wo es nichts anzubeissen gibt, beisst auch keiner an. So einfach ist das. Ein Werbebrief ohne konkretes Angebot geht unter wie die Titanic. Also machen Sie ein konkretes Angebot. Es darf auch ein schmutziges sein. Kitzeln Sie den Hamsterinstinkt ihrer Kunden mit der Formel 3 für 2. Reizen Sie den Spartrieb mit Heute nur Fr. 99.-- statt Fr. 151.--.. Fördern Sie die Spielsucht mit Gewinnen Sie ein Weekend in Las Vegas ohne Ihre Frau. Und so weiter. Je primitiver und abgelutschter Ihr Angebot, um so wirkungsvoller.
 
Lektion 03: Machen Sie einen Quickie, A
   Sie und ich, wir wissen: Ihr Produkt ist das beste, das schönste, das liebreizendste, welches der Allmächtige in seiner Gnade je erschaffen hat. Doch wen interessiert's? Kein Schwein. Die einzige Chance, die Sie haben, jemanden zu erwischen, ist Speed. Sagen Sie, was Sie zu sagen haben, bevor der Leser überhaupt merkt, dass Sie etwas gesagt haben. Das heisst schnell, direkt, ohne Umwege und Firlefanz. Lieber zehn Sätze zu wenig als einer zuviel. Denken Sie daran: Lange Werbebrief sind die ersten, die im Papierkorb landen.
 
Lektion 04: Machen Sie einen Quickie, B
   Warten Sie nicht, bis jedes Wort sitzt. Beissen Sie auf die Zähne, schreiben Sie, was Sie zu schreiben haben, und dann ab damit in die Zeitung, aufs Plakat oder in den Briefkasten. Ihr Text wird nicht besser, wenn Sie wochenlang dran rumschräubeln. Raus damit! Lieber ein Werbebrief mit zwei, drei holprigen Passagen als einer, der nie über Ihren Schreibtisch hinauskommt. Ihr ehemaliger Deutschlehrer wird Ihnen verzeihen.
 
Lektion 05: Rufen Sie nicht so aus!!!
   Pfui!!! Lassen Sie die Brüllerei mit gehäuften Ausrufezeichen!!! Das ist billig und unglaubwürdig und überhaupt!!! Sie sind kein Marktschreier!!! Sie sind ein seriöser Anbieter mit einem seriösen Angebot!!! Denken Sie gefälligst daran!!!!!
 
Lektion 06: Denken Sie sich was dabei
   Halten Sie die Reihenfolge ein: erst denken, dann schreiben. Sonst machen Sie alles bloss doppelt und dreifach. Legen Sie sich zuerst in Stichworten eine möglichst lückenlose Argumentationskette zurecht. Das macht Kopfweh, muss aber sein. Ist die Vordenkerei abgeschlossen - und keine Sekunde früher - dürfen Sie die Argumente in neckische Formulierungen packen und lesefreundlich verzahnen.
 
Lektion 07: Fahren Sie aus der Haut
   Schliessen Sie die Augen. Und versuchen Sie, für ein paar Momente in die Haut eines gleichgültigen, gelangweilten Kunden zu schlüpfen. Denken Sie, wie er denkt. Fühlen Sie, wie er fühlt. Sehen Sie Ihr Produkt, wie er es sieht: uninteressant, unglaubwürdig, unnütz, gähn. Erst jetzt sind Sie in der Verfassung, einen brauchbaren Text zu verfassen.
 
Lektion 08: Glauben Sie mir nicht alles
   Die vielleicht wichtigste Lektion. Hören Sie nicht auf gute und schon gar nicht auf gutgemeinte Ratschläge. Texter, die zu viel auf andere hören, werden in der Regel kaum gehört.
 
Lektion 09: Glauben Sie mir gar nichts
   Hören Sie stattdessen auf Koryphäen, die vom Schreiben weitaus mehr verstehen als ich. Zu Ihrem Glück gibt's da draussen eine ganze Armee von klugen Köpfen, die Ihnen in klugen Büchern verraten, wie Sie in drei Minuten einen Bestseller schreiben. Eine kleine Auwahl:

Wertung Titel Autor EUR
Liebesbriefe. Kreativ schreiben und... Rene Zey 10.17
Kreativ Schreiben von der Idee zum Text. Gerda Marie Pogoda 8.64
Geschäftskorrespondenz von A bis Z.... Gabi Neumayer 10.50
Texten wie ein Profi. Ob 5-Minuten-Text... Hans-Peter Förster 25.90
Erfolgreich texten. Die besten Techniken... Doris Märtin 6.60
Stark texten, mehr verkaufen. Kunden... Stefan Gottschling 24.90
Texten fürs Web. Grundlagen und... Stefan Heijnk 25.00
Werbetexte Online. So schreiben Sie für's Internet Ekkehard Schmider 44.95
Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. Wolf Schneider 17.90
Kribbeln im Kopf. Kreativitätstechniken... Mario Pricken 65.90
Kribbeln im Kopf. Kreativitätstechniken... Mario Pricken 65.90
Sag es treffender. A. M. Textor 9.90
Die Mörderfackel. Armin Reins fragt die... Armin Reins 49.80
 
Lektion 10: Spionieren Sie
   Warum das Rad auch neu erfinden, wenn's bei Ihrer Konkurrenz schon munter rollt? Falls Sie sich keinen tüchtigen Spion leisten können, fordern Sie einfach bei Ihren geschätzten Mitbewerbern kostenloses Informationsmaterial an. Studieren Sie es minuziös. Das hilft. Vor allem Fehler vermeiden, die ihre Konkurrenten bereits gemacht haben. Schuldgefühle? Unnötig! Schliesslich holen Sie nur nach, was Ihre Rivalen längst mit Ihnen gemacht haben.
 
Lektion 11: Wiederholen Sie sich
   Es stimmt nicht, dass Kunden prinzipiell dumm sind. Aber sie stellen sich dumm. Wenigstens in Sachen Werbung. Man muss ihnen alles zweimal sagen. Also sagen Sie es ihnen mindestens dreimal: in der Headline, in der Subline, im Lauftext, im PS, in einem separaten Kästchen. Soziologen nennen diese Technik Brain Washing. Ich nenne es Werbung.
 
Lektion 12: Wiederholen Sie sich
   Es stimmt nicht, dass Kunden prinzipiell dumm sind. Aber sie stellen sich dumm. Wenigstens in Sachen Werbung. Man muss ihnen alles zweimal sagen. Also sagen Sie es ihnen mindestens dreimal: in der Headline, in der Subline, im Lauftext, im PS, in einem separaten Kästchen. Soziologen nennen diese Technik Brain Washing. Ich nenne es Werbung.
 
Lektion 13: Wiederholen Sie sich nie
   Sagen Sie es Ihren Kunden zwei- oder dreimal. Aber bitte jedesmal anders. Der hellblaue Duden "Die sinn- und sachverwandten Wörter" macht es Ihnen leicht, das gleiche immer wieder anders auszudrücken. Er ist Viagra für Texter.
 
Lektion 14: Chatten Sie
   Die Kunst der Verführung. Nirgendwo können Sie sie so lustvoll eintrainieren wie beim Online-Chat. Klicken Sie sich bei Bluewin in einen Chat-Kanal ein und lassen Sie Ihren Charme nach allen Regeln der Flirt-Kunst spielen. Machen Sie sich da mit den Gesetzen der Verführung vertraut und übertragen Sie ihr neu erworbenes Wissen auf Ihre Texte.
 
Lektion 15: Sagen Sie ja zum Wörtchen nein
   Nie, niemals, never, niente, nein, no, nicht! Nichts fürchtet der stromlinienverformte Werbetexter mehr als die Negierung. Formulier' es positiver, wird ihm von Kommunikationsideologen und Werbedogmatikern unentwegt eingebleut. Solange, bis er es selber glaubt und die n-Wörter meidet wie der Teufel das Weihwasser. Dabei kann von einem trotzigen "Niet" durchaus eine wohltuende Werbewirkung ausgehen. Und sei es nur, dass es dem "Ja" mehr Saft und Kraft verleiht. Ja und nein, gut und schlecht, Licht und Dunkel gehören zusammen. Merke: ein Werbebrief ohne ein "Nein" ist wie ein James Bond ohne einen bösen Buben.
 
Lektion 16: Verdreschen Sie Phrasen
   Floskeln, Phrasen, Allgemeinplätze, Binsenwahrheiten, Plattitüden, Bonmots etc. haben durchaus ihre Berechtigung. In der Politik. Aber nicht in Werbetexten. Mit zwei, drei Phrasen können Sie einen Werbetexte glatt ruinieren. Wieso? Phrasen sind vorformulierte Inhalte, die man so oder anders schon 1000 Mal gehört haben. Das macht sie soooooooo langweilig. Nein, soooooooooooooooooooooo! Und Langeweile macht alles platt, was Sie mit Worten aufbauen möchten: Aufmerksamkeit. Also Finger weg von "massegeschneiderten Lösungen", von "offenen Ohren für Ihre Anliegen", von "Ihr Wunsch ist uns Befehl", von "der Kunde ist König" etc. Das ist Wischiwaschi und keine Werbung.
 
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